Auf der Suche nach „meiner Oyster“ oder ein unvollendetes Jahr!

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Vollgetankt mit dem durch die kretische Sonne im Körper umgewandelten Wohlfühlhormon D, ebenso braungebrannt und mehr oder weniger voller Tatendrang sitze ich zur Adventszeit wieder bei mir im Büro und quäle die Tasten meines Laptops. Momentan fällt es mir schwer, die richtigen Formulierungen zu finden. Die einzelnen Buchstaben, die zu Wörtern zusammengesetzt werden, haben sich augenscheinlich versteckt oder die Synapsen wollen nicht so, wie ich es mir vorstelle. Ein wenig gefrustet bin ich auch. Was soll es, das Leben geht unaufhörlich weiter und der Weihnachtsmann steht auch bald vor der Tür. Ob er eine Überraschung bereithält? Jedenfalls hatte ich mit meiner lieben Nicole eine sehr angenehme Rückreise von unserer Insel der Götter. Mit Zwischenstation auf Lefkas sowie einer noch super sonnigen Fährpassage von Patras nach Venedig. Wäre da nur nicht der Temperaturunterschied von über 20 Grad Celsius. Ich friere mir hier den Schniedel weg! Gut, dass das Holz für den Kamin bereits geliefert wurde. Es gibt doch nichts Wohlfühlender, als in den Wintermonaten mit einem Buch vor dem lodernden Kamin zu sitzen.

Die Marina von Lefkas

Ernüchternde Schiffsbesichtigungen

Bereits auf dem diesjährigen Weg gen Süden habe ich mir in Norditalien eine Oyster 53 von einem österreichischen Eigner angeschaut. Mitte 80 denkt er daran, sein „Schmuckstück“ zu verkaufen. Bei meiner Ankunft standen die Vorzeichen schon nicht gut. Gewitter ohne Ende, es hat wie aus Kübeln geschüttet und eine detaillierte Außenbesichtigung war nicht wirklich möglich. Der erste Eindruck innen hat aber gereicht. Und wenn das zwischenmenschliche suboptimal ist, wird HJR bockig. Kurz um, es hat nicht gepasst – und Tschüss!

Also auf nach Lefkas.

Seit Monaten stehe ich mit Oyster Brokerage in Verbindung. „Brummbär Mister Collins“ meinte, Lefkas ist eine Reise wert. So geht es mit meinen X3 nach der Ankunft von Kreta in Piräus 360 Kilometer gen Westen nach Lefkas. Kurz vor Patras geht es über die imposante Rio-Andirrio-Brücke, die den Golf von Korinth überspannt.

Rio-Andirrio-Brücke

Vor 25 Jahren waren wir das letzte Mal mit dem Schiff auf Lefkas. Wir kennen es nicht wieder. Der Hafen mindestens fünffach größer. Hier steppt der Bär. Munteres Treiben zum Saisonende auch in der Stadt selbst. Schließlich ist es November. Auf vielen Schiffen werkeln die verschiedenen Gewerke und bereiten alles für den „Winter“ vor.

Eine Oyster 53 wartet auf uns. Ich mache es kurz, innen pfui, außen hui. Nicole ist von der Oyster 53 selbst angetan. Es ist von ihr die erste Begehung einer Oyster 53. Ihr Kommentar: „Müssen es vier Kabinen sein? Reicht nicht auch eine drei Kabinen Oyster? Wir sind doch maximal nur als Familie an Bord und unterwegs. Die meiste Zeit zu zweit“

Wie sich im Nachgang feststellte, hatte das Schiff einen Wasserschaden. Refit-Kosten mindestens in Höhe von 75.000 bis 100.000 Euro.

Suchen die Eigner, die verkaufen möchten nur blöde, unwissende, naive Käufer? Wie wäre es, den Verkaufspreis gleich entsprechend zu minimieren, eine offene Kommunikation zu pflegen, oder den Dampfer gleich wieder fit zu machen.

Na ja, wir hatten einige sonnenreiche und sehr warme Stunden auf Lefkas.

Zurück nach Patras. Unsere Fähre nach Venedig wartet. Um 21.00 Uhr ist Boarding und die M/S Lefka Ori wartet nicht.

So, es ist 17.00 Uhr an einem Sonntag im Büro. Kaffeezeit! Genug für heute. In Teil 2 dieser bisher unendlichen Geschichte eine Schiffssuche geht es auf Deutschlands beliebteste Insel.

Übrigens: 

Skipper und Co-Skipperin sind sich einig. Es soll eine Oyster 49 werden. Wenn alle Stricke reißen, eine Oyster 46 oder eine 53. Wir kommen der Sache näher.

In diesem Sinne, mit vorweihnachtlichen Adventsgrüßen aus dem Dorf der Koppelknechte

HJR